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Ein Blitzforscher berichtet über seine Arbeit während der Pandemie

Die Umstellung auf den Home-Office-Modus war für die Abteilung OVE ALDIS verhältnismäßig einfach, da wir das Obergeschoss der Kahlenberger Straße 2A nur zu fünft besetzen. Zu Beginn haben wir im Büro noch alle gespannt die Entwicklungen der Pandemie verfolgt und Hannes¹ (Pichler) den exponentiellen Verlauf der aktuellen Infektionszahlen in Excel analysiert. Bis zur ersten ALDIS-internen „Krisensitzung“ war es dann nicht mehr weit. Am Ende der Kalenderwoche 11, noch bevor sämtliche offizielle Dienstanweisungen ausgesendet wurden, hatten wir schon eine vorläufige Home-Office-Lösung für die kommende Woche besprochen – ein „Wochenrad“, wer wann im Büro sein soll, um Anrufe und Post entgegenzunehmen. Dieses Wochenrad wurde durch die wesentlich verschärften Dienstanweisungen, die am darauffolgenden Montag ausgesendet wurden, größtenteils wieder obsolet.

 

Alles von zu Hause aus

Was sich nach dieser ersten Besprechung hinsichtlich der Umstellung auf Home-Office geändert hat? Nicht viel. Petra (Sekretariat) und mir, Hannes² (Kohlmann), wurde eine virtuelle private Netzwerkverbindung (VPN) zu unseren Arbeitsplätzen eingerichtet. Für den Rest der Truppe war das Arbeiten am Laptop über VPN – von unterwegs oder zu Hause aus – sowieso schon üblich. Daher waren keine großen Änderungen notwendig und auch keine wirklich groben Einschnitte im Arbeitsalltag bei ALDIS zu spüren. Ein großes Team-Meeting für die Besprechung von Organisatorischem und zukünftigen Projekten wurde über Videokonferenz abgehalten. Über speziellere, projektspezifische Themen wurde meistens kurz „geskyped“. Ich persönlich war noch mit dem Abschluss meines Master-Studiums beschäftigt, das ich ebenfalls via Videokonferenz erfolgreich absolvieren konnte. Dadurch, dass es bei uns keinen Parteienverkehr gibt und jeglicher Service, den ALDIS zur Verfügung stellt, meistens online, über Mailverkehr oder Telefonate abgewickelt wird, waren auch hier keine besonderen Maßnahmen notwendig, um das Geschäftsleben der OVE Service GmbH intakt zu halten.

 

Zu Beginn der pandemiebedingten Home-Office-Umstellung musste ich erst mal das Zimmer, das bislang nur als Abstellkammer gedient hatte, bürotechnisch auf Vordermann bringen. Jetzt fühle ich mich mittlerweile ganz wohl darin. Mein persönlicher Home-Office-Arbeitstag beginnt etwa um 09:00 Uhr. Ich beschäftige mich zurzeit mit Simulationen von Blitzen ausgelöster elektromagnetischer Felder, die sich im Gelände ausbreiten und von Sensoren detektiert und geortet werden. Aktuell untersuche ich dabei den Einfluss des Geländes auf die Qualität der Ortung und Amplitudenschätzung von Blitzentladungen in theoretischen Szenarien und bei realem Gelände. Außerdem bin ich für bestimmte Softwareentwicklung zur Abfrage und Darstellung von Blitzdaten aus unserer Datenbank zuständig. Dabei bin ich hauptsächlich mit programmiertechnischen Aufgaben beschäftigt, die Konzentration erfordern. Dabei ist es ziemlich egal, wo ich diese Arbeit verrichte, solange ich an einem ruhigen Ort vor meinen Laptop sitzen kann.

Was sich allerdings deutlich bemerkbar macht, ist die Zeitersparnis durch die wegfallende An- und Abreise zum Dienstort in der Kahlenberger Straße 2A. Ich brauche dafür jeden Tag gut eine Stunde. Andererseits misse ich genau diese Stunde, denn ich überbrücke die Strecke (2 mal 9.2 km pro Arbeitstag) das ganze Jahr über mit dem Fahrrad und höre dabei Hörbücher oder Musik und genieße die frische Luft. Seit Corona spielt es das nicht mehr. Dadurch fehlen mir etwa 15 Stunden sportliche Betätigung (ca. 300 km Rad fahren) pro Monat. Das darf ich nicht vergessen und muss es kompensieren, denn ich fühle mich wesentlich unausgeglichener, wenn ich mich nicht regelmäßig bewege.

 

Weniger Reisen, gut für die Umwelt

Da ALDIS Teil eines paneuropäischen Blitzortungsnetzwerkes ist, wissenschaftlich gut vernetzt und international tätig ist, stehen Videokonferenzen sowieso immer an der Tagesordnung. Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch finden aber nicht nur über Videocalls statt, sondern auch in Form von zahlreichen internationalen Konferenzen der Blitzforschungs-Community, auf denen meist aktuelle wissenschaftliche Publikationen präsentiert und aktuelle technische Normen, Standards, etc. in Arbeitsgruppen behandelt werden. Diese wurden nun coronabedingt der Reihe nach abgesagt bzw. auf nächstes Jahr verschoben. Das war mitunter mit Reisestornierungen verbunden, von denen man z.B. als Teilnehmer den Preis der Flugtickets nicht mehr erstattet bekommen hat, ganz abgesehen vom organisatorischen Mehraufwand für die Konferenz-Veranstalter und dem finanziellen Risiko, das sie im Moment tragen.

Bei all dem wirtschaftlichen Desaster wäre es aus umwelttechnischer Sicht ein positiver Aspekt, wenn man feststellt, dass ein Großteil dieser Arbeitsgruppen auch per Videokonferenz operieren und Präsentationen online abgehalten werden können, damit ALDIS in Zukunft seltener quer über den Globus reisen muss. Aber auch im nationalen Rahmen hat sich Corona auf das Reiseverhalten ausgewirkt. Etwa wurde unlängst eine Besprechung mit der Universität Innsbruck per Videochat abgehalten, die sonst direkt vor Ort stattgefunden hätte. Durch diese alternativen Formen des Zusammentreffens fallen die Reisewege weg, was Zeit und Geld spart und auch die Umwelt schont. Geopfert wird hierbei natürlich wieder die gesellschaftliche Komponente: Ein möglicher gemeinsamer Feierabend bei einem Bier oder einem Glas Wein mit lockeren Gesprächen über Themen auch abseits des Berufslebens.

Das fasst im Großen und Ganzen zusammen, wie ich die Umstellung des beruflichen Alltags bei ALDIS wahrgenommen habe. So interessant die Erfahrung, zu 100% im Home-Office zu arbeiten, im Moment sein mag, freue ich mich auf jeden Fall wieder darauf, in der Früh aufs Rad zu steigen, in die Arbeit zu radeln und auf gelegentliche Plaudereien an der Kaffeemaschine!

Hannes Kohlmann erforscht Blitze bei ALDIS. In unserem neuesten Blogbeitrag erzählt er, wie sich sein Arbeitsalltag durch die COVID-19-Pandemie verändert hat.