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Forschende, die die Welt veränderten: Q

Nicht alle Heldinnen und Helden tragen Capes. Im Laufe der Geschichte hat es immer wieder Forschende und Technikbegeisterte gegeben, die mit Neugier, Kreativität und Tatendrang das Leben der Menschen verbessert und dafür gesorgt haben, dass wir die Welt, in der wir leben, ein bisschen besser verstehen.

In unserer Blogreihe stellen wir in alphabetischer Reihenfolge eine kleine Auswahl dieser besonderen Menschen vor: Beim Buchstaben „Q“ die australische Physikerin Helen Quinn und den türkischen Mathematiker Thābit ibn Qurra.

Helen Quinn: Physikerin und Wissenschaftsvermittlerin

Helen Rhoda Quinn kam am 19. Mai 1943 in Melbourne, Australien, zur Welt. Schon in der Schule zeigte sie Interesse an Naturwissenschaften, dachte aber nicht daran, eine Karriere in diesem Bereich einzuschlagen. Damals war es für Frauen nicht üblich, in die Forschung zu gehen, da von ihnen erwartet wurde, nach der Ausbildung zu heiraten, Kinder zu kriegen und sich um den Haushalt und die Familie zu kümmern.

Die Idee kam Quinn erstmals, nachdem ihre Mathematiklehrerin sie darauf hingewiesen hatte, dass sie gute Voraussetzungen für eine Karriere als Mathematikerin hätte. Da sie ein Talent für Naturwissenschaften zeigte, wurde sie von ihren Lehrenden und ihren Eltern dahingehend gezielt unterstützt.

Nach der Schule begann Quinn an der University of Melbourne zu studieren. Durch ihren Vater, der selbst Ingenieur war, interessierte sie sich für ein technisches Studium. Allerdings verwarf sie den Gedanken wieder, da ein Technik-Studium zu dieser Zeit für Frauen nicht üblich war. 1962, in ihrem zweiten Studienjahr, zog ihre Familie in die USA. Dort absolvierte die Australierin an der berühmten Stanford University ein Physik-Studium. Der Frauenanteil in diesem Gebiet lag zu der Zeit unter zwei Prozent.

Quinn konnte sich nicht vorstellen, als Wissenschaftlerin erfolgreich sein zu können. Ihr ursprünglicher Plan war deswegen, nach dem Studium Physik zu unterrichten. Allerdings war sie von der Materie so fasziniert, dass sie ihre Pläne über den Haufen warf und Teilchenphysikerin wurde.

Im Laufe ihrer Karriere war Quinn an verschiedenen Hochschulen tätig, unter anderem an der renommierten Harvard University. Sie leistete wichtige Beiträge in der Teilchenphysik und trug damit zu einem besseren Verständnis unserer Welt bei. Die Australierin sagte unter anderem die Existenz eines neuen Elementarteilchens, des Axions, voraus. Bis heute hat es aber noch niemand geschafft, die Existenz dieses Teilchens tatsächlich zu beweisen.

Seit ihrer Pensionierung engagiert sich Quinn sehr aktiv in der Wissensvermittlung. Junge Menschen für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern, ist ihr ein großes Anliegen. Die Physikerin ist der Ansicht, dass die Methoden einer wissenschaftlichen Arbeitsweise in vielen Bereichen angewendet werden können, und möchte Schülerinnen und Schüler dazu animieren, sich im Alltag kritisch mit Problemstellungen auseinanderzusetzen.

Für ihre wissenschaftlichen Verdienste bekam Quinn zahlreiche Ehrungen, darunter die Benjamin-Franklin-Medal, eine besonders prestigeträchtige Auszeichnung, die auch anderen berühmten Forschenden wie Ruzena Bajcsy verliehen wurde.

Thābit ibn Qurra: Mathematiker und Astronom

Abu al-Ṣābi‘ Thābit ibn Qurra al-arrānī wurde 836 in Harran, Türkei, geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist fast nichts bekannt. Zunächst war er in seiner Heimatstadt als Geldwechsler tätig, bis er von zwei wohlhabenden Brüdern entdeckt wurde. Thābit war sehr sprachbegabt und konnte neben seiner syrischen Muttersprache auch fließend arabisch und griechisch sprechen. Aus diesem Grund wurde er von den Brüdern eingeladen, bei ihnen in Bagdad die Werke antiker griechischer Mathematiker zu übersetzen.

Zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere übersetzte Thābit Schriften der berühmten Mathematiker Archimedes, Euklid und Claudius Ptolemäus ins Arabische. Durch diese Arbeit entflammte seine Begeisterung für die Mathematik, und er begann schon bald eigene Werke zu verfassen.

Heute gilt Thābit ibn Qurra als der wichtigste Mathematiker seiner Zeit. Zu seinen Errungenschaften zählen unter anderem drei neue Beweise für den Satz des Pythagoras und dessen Verallgemeinerung, Arbeiten zu magischen Quadraten und sein Satz zu befreundeten Zahlen.

Bei seinen Übersetzungsarbeiten beschäftigte sich Thābit aber nicht nur mit Mathematik, sondern übersetzte auch medizinische Werke von Hippokrates und philosophische Schriften von Aristoteles. Auch bei seinen Forschungen gingen seine Interessen über die Mathematik hinaus; in der Mechanik gilt er beispielsweise als einer der Begründer der Statik.

In seinen späteren Jahren verlagerte Thābit seinen Fokus zunehmend auf Astronomie und wurde sogar zum Hofastronom des damaligen Herrschers ernannt. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften, die vor allem von seinen Beobachtungen zu den Bewegungen der Sonne und des Mondes handeln. Damit war der Mathematiker maßgeblich am Entwickeln der islamischen Astronomie beteiligt. Am 18. Februar 901 starb er im Alter von 65 Jahren.

Nach seinem Tod hatten Thābit ibn Qurras Übersetzungen und Werke während des Mittelalters und der Renaissance großen Einfluss auf die europäische Wissenschaft. Seine Arbeiten wurden ins Lateinische übersetzt; eines seiner Werke diente im Mittelalter sogar als Lehrbuch für Mechanik. Mit seinen Übersetzungen trug der Mathematiker zum Wiederentdecken der antiken griechischen Denker bei und sorgte dafür, dass dieses Wissen nicht verloren ging. Andere berühmte Wissenschaftler, wie Nikolaus Kopernikus, beriefen sich in ihren eigenen Forschungen auf ihn. Für seine Leistungen wurden die Thabit-Zahl und ein Mondkrater nach ihm benannt.

 

Helen Quinn und Thābit ibn Qurra sind nur zwei Beispiele dafür, wie einzelne Forschende die Welt verändern können. Egal, ob man entgegen aller Erwartungen in die Forschung geht wie Quinn, oder ob man Wissen für künftige Generationen zugänglich macht wie Thābit ibn Qurra: Wir alle können mit Naturwissenschaft und Technik die Welt ein Stück besser machen!

Als nächstes geht es in unserer Blogreihe um Nancy Roman und Wilhelm Conrad Röntgen.

 

Quellen:

Quinn

International Centre for Theoretical Physics (2013): You could be a Mathematician, [online] https://www.ictp.it/about-ictp/media-centre/news/news-archive/2013/9/helen-quinn.aspx [02.07.2019].

Quantamagazine (2016): A Wormhole Between Physics and Education, [online] https://www.quantamagazine.org/helen-quinn-on-physics-and-education-20161018/ [02.07.2019].

Qurra

Spektrum der Wissenschaft (2012): Thabit Ibn Qurra (836-901), [online] https://www.spektrum.de/wissen/thabit-ibn-qurra-836-901/1151915 [05.07.2019].

Enceclopaedia Britannica (o.J.): Thābit ibn Qurrah, [online] https://www.britannica.com/biography/Thabit-ibn-Qurrah [05.07.2019].

Foundation for Science, Technology and Civilisation (o.J.): Thabit ibn Qurra, [online] http://muslimheritage.com/article/thabit-ibn-qurra [05.07.2019].

In unserer Blogreihe stellen wir in alphabetischer Reihenfolge besondere Menschen in der Wissenschaft und Technik vor. Aktuell: Helen Quinn und Thābit ibn Qurra