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Forschende, die die Welt veränderten: S

Nicht alle Heldinnen und Helden tragen Capes. Im Laufe der Geschichte hat es immer wieder Forschende und Technikbegeisterte gegeben, die mit Neugier, Kreativität und Tatendrang das Leben der Menschen verbessert und dafür gesorgt haben, dass wir die Welt, in der wir leben, ein bisschen besser verstehen.

In unserer Blogreihe stellen wir in alphabetischer Reihenfolge eine kleine Auswahl dieser besonderen Menschen vor: Beim Buchstaben „S“ die saudi-arabische Pharmakologin Hayat Sindi und den österreichischen Physiker Erwin Schrödinger.

Hayat Sindi: Pharmakologin und Wissenschaftsvermittlerin

Hayat Sindi kam in Mekka, Saudi-Arabien, zur Welt. Als Kind inspirierten sie berühmte Forschende wie Albert Einstein und Marie Curie, selbst Wissenschaftlerin zu werden. Obwohl sie ihr Heimatland noch nie verlassen hatte und kein Englisch konnte, überzeugte Sindi als Jugendliche ihre Eltern, sie alleine nach England reisen zu lassen, damit sie dort eine höhere Ausbildung absolvieren konnte. Das war keine Selbstverständlichkeit, da Frauen in Saudi-Arabien die Zustimmung eines männlichen Familienmitglieds brauchen, um alleine reisen oder studieren zu dürfen.

1991 ging Sindi nach England. Während sie für die Zulassungsprüfung zum Studium lernte, musste sie auch noch die Sprache nachlernen. Ihre harte Arbeit zahlte sich aus: 1995 schloss Hayat Sindi ihr Pharmakologie-Studium am Londoner King’s College erfolgreich ab. Nur wenige Jahre später erlangte sie als erste saudi-arabische Frau den PhD in Biotechnologie an der renommierten Cambridge University.

Sindis Wunsch ist es, mit ihrer Forschung das Leben möglichst vieler Menschen zu verbessern. Mit ihrer Expertise war sie an der Gründung des Non-Profit-Unternehmens „Diagnostics for all“ beteiligt. Ein hoher Anteil der Weltbevölkerung hat nach wie vor einen sehr schlechten Zugang zu medizinischer Versorgung. An vielen Orten gibt es kaum ärztliches Personal, das medizinische Diagnosen stellen kann, damit Erkrankte mit den richtigen Medikamenten versorgt werden können. Hier kommt „Diagnostics for all“ ins Spiel: Mit einem von Sindi entwickelten, chemisch präparierten Stück Papier können die Menschen schnell und kostengünstig auf verschiedenste Krankheiten getestet werden. Damit können Millionen von Menschen medizinisch besser versorgt und Leben gerettet werden.

2011 gründete Sindi in ihrem Heimatland das i2 Institute for Imagination und Ingenuity. Ziel ist es, junge Menschen aus Saudi-Arabien in den Bereichen Wissenschaft und Technik zu fördern und sie dabei zu unterstützen, ihre innovativen Ideen in die Realität umzusetzen. Zusätzlich ist sie mit Vorträgen im gesamten Nahen Osten unterwegs, um in Schulen speziell junge Mädchen für eine Karriere in Naturwissenschaft und Technik zu begeistern.

Für ihre wissenschaftlichen Leistungen und ihr soziales Engagement bekam Hayat Sindi zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem wurde sie 2012 aufgrund ihrer Aufklärungsarbeit mit Mädchen zur ehrenamtlichen UNESCO-Botschafterin für Wissenschaft ernannt.

Erwin Schrödinger: Physiker und Begründer der Quantenmechanik

Erwin Alexander Schrödinger wurde am 12. August 1887 in Wien geboren. Sein Vater war ein Wachstuchfabrikant und Botaniker, der von Naturwissenschaften begeistert war und diese Leidenschaft an seinen Sohn weitergab. Schrödingers Großvater war Chemie-Professor an der Technischen Universität Wien und förderte ebenfalls das naturwissenschaftliche Interesse seines Enkelsohns.

Bis er elf Jahre alt war bekam Schrödinger Privatunterricht, danach besuchte er das akademische Gymnasium. Er war ein sehr guter Schüler und schloss 1906 die Matura mit Auszeichnung ab. Im selben Jahr begann der damals 19-Jährige an der Universität Wien Physik zu studieren. 1910 erhielt er seinen Doktortitel und nahm ein Jahr später eine Stelle als Aushilfsassistent am physikalischen Institut der Universität Wien an.

Während des Ersten Weltkriegs diente Schrödinger im Militär. Nach dem Krieg verließ er Österreich aufgrund schlechter Berufsaussichten und nahm Lehrstellen an verschiedenen deutschen Universitäten an. 1921 zog der Physiker in die Schweiz. Dort wurde er Professor für theoretische Physik an der Universität Zürich.

Während seiner Zeit in Zürich machte Schrödinger eine der wichtigsten Entdeckungen seiner Karriere: die nach ihm benannte Schrödingergleichung. Er begründete damit eine neue Mechanik, die die Bewegungsvorgänge innerhalb von Atomen erklären konnte. Die Schrödingergleichung machte den Physiker schlagartig berühmt, zahlreiche Auszeichnungen und Jobangebote folgten.

1927 wechselte Schrödinger an die Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, wo er in regem Austausch mit anderen berühmten Forschenden wie Albert Einstein und Lise Meitner stand. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, verließ er Deutschland und nahm in England eine Stelle an der berühmten Oxford University an. Im selben Jahr erhielt der Österreicher gemeinsam mit Paul Adrien Maurice Dirac den Physik-Nobelpreis für „die Entdeckung fruchtbarer Prinzipien zur Entwicklung der Atomtheorie“.

Schrödinger blieb zwar nicht lange in Oxford, formulierte in dieser Zeit aber sein berühmtestes quantenmechanisches Gedankenexperiment: Schrödingers Katze. 1936 kehrte er in sein Heimatland zurück und begann als Dozent für theoretische Physik an der Karl-Franzens-Universität in Graz zu arbeiten. Nachdem die Nationalsozialisten 1938 auch in Österreich die Macht ergriffen hatten, verlor der Physiker seine Anstellung und wanderte aus. Nach verschiedenen Zwischenstationen in ganz Europa ließ er sich schließlich wegen eines Jobangebots in Irland nieder.

1956 kehrte Schrödinger nach Wien zurück. In seinen letzten Lebensjahren unterrichtete er am Institut für theoretische Physik an der Universität Wien. Der Physiker starb am 4. Jänner 1961 an Tuberkulose. Auf seinen eigenen Wunsch hin wurde er in Alpbach, Tirol, beerdigt, wo man heute noch sein Grab besichtigen kann.

Für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen wurde Erwin Schrödinger vielfach geehrt. Er war beispielsweise der erste Preisträger des nach ihm benannten Erwin-Schrödinger-Preises der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. In Wien gibt es den Erwin-Schrödinger-Platz, und sein Gesicht zierte zwischen 1983 und 1997 die österreichischen 1.000-Schilling-Banknoten.

 

Hayat Sindi und Erwin Schrödinger sind nur zwei Beispiele dafür, wie einzelne Forschende die Welt verändern können. Egal, ob man sich als Forscherin fürs Allgemeinwohl einsetzt wie Sindi, oder ob man ein gänzlich neues Feld entdeckt wie Schrödinger: Wir alle können mit Naturwissenschaft und Technik die Welt ein Stück besser machen!

Als nächstes geht es in unserer Blogreihe um Mária Telkes und Nikola Tesla.

Quellen:

Sindi

World Economic Forum (o.J.): Hayat Sindi, [online] https://www.weforum.org/people/hayat-sindi [16.07.2019].

National Geographic (o.J.): Hayat Sindi, [online] https://www.nationalgeographic.org/find-explorers/hayat-sindi [16.07.2019].

i2 Institute (o.J.): About Dr. Hayat Sindi, Founder and CEO of i2, [online] http://www.i2institute.org/#intent [16.07.2019].

Schrödinger

Austria-Forum (2009): Schrödinger, Erwin, [online] https://austria-forum.org/af/Biographien/Schr%C3%B6dinger%2C_Erwin [16.07.2019].

Universität Wien (o.J.): Erwin Schrödinger (1887-1961), [online] https://www.zbp.univie.ac.at/schrodinger/biographie.pdf [16.07.2019].

Österreichische Akademie der Wissenschaften (o.J.): Erwin Schrödinger, [online] https://www.oeaw.ac.at/online-gedenkbuch/gedenkbuch/personen/q-z/erwin-schroedinger/ [16.07.2019].

Biography.com (2014): Erwin Schrödinger Biography, [online] https://www.biography.com/scientist/erwin-schrdinger [16.07.2019].

NobelPrize.org (o.J.): Erwin Schrödinger Biographical, [online] https://www.nobelprize.org/prizes/physics/1933/schrodinger/biographical/ [16.07.2019].

Enceclopaedia Britannica (o.J.): Erwin Schrödinger, [online] https://www.britannica.com/biography/Erwin-Schrodinger [16.07.2019].

In unserer Blogreihe stellen wir in alphabetischer Reihenfolge besondere Menschen in der Wissenschaft und Technik vor. Aktuell: Hayat Sindi und Erwin Schrödinger