Wir verwenden Cookies auf unserer Website, um Ihnen mehr Benutzerfreundlichkeit bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.
Katze Science ClipKatze Science Clip
Weiter
SchließenFrage schließen
Spinner

Blog

Forschende, die die Welt veränderten: Y

Nicht alle Heldinnen und Helden tragen Capes. Im Laufe der Geschichte hat es immer wieder Forschende und Technikbegeisterte gegeben, die mit Neugier, Kreativität und Tatendrang das Leben der Menschen verbessert und dafür gesorgt haben, dass wir die Welt, in der wir leben, ein bisschen besser verstehen.

In unserer Blogreihe stellen wir in alphabetischer Reihenfolge eine kleine Auswahl dieser besonderen Menschen vor: Beim Buchstaben „Y“ die amerikanische Physikerin Rosalyn Yalow und den japanischen Stammzellenforscher Shin’ya Yamanaka.

Rosalyn Yalow: Physikerin und Nobelpreisträgerin

Rosalyn Yalow kam am 19. Juli 1921 unter dem Namen Rosalyn Sussman in New York City, USA, zur Welt. Beide Eltern waren europäische Immigranten, hatten nicht viel Geld und verfügten nicht einmal über einen Highschool-Abschluss. Trotzdem förderten sie ihre Kinder, wo es nur ging. So konnte Yalow schon lesen, noch bevor sie überhaupt in den Kindergarten kam, und verbrachte viel Zeit mit Büchern.

Während ihrer Schulzeit begeisterte sich Yalow zunächst besonders für Mathematik, später für Chemie. Schließlich studierte sie aber doch Physik am Hunter College der City University of New York. In den 1930er-Jahren wurden vor allem in der Nuklearphysik große Erfolge erzielt, weshalb sich die Amerikanerin schließlich für dieses Fachgebiet entschied. Eine zu der Zeit neu erschienene Biografie der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie inspirierte sie zusätzlich und bestärkte sie in ihren Karriereplänen.

Da Physikerin für Frauen damals noch ein eher ungewöhnlicher Beruf war, versuchten Yalows Eltern, sie davon zu überzeugen, lieber Lehrerin zu werden. Sie ließ sich aber nicht von ihrem Wunsch abbringen und erlangte 1945 den PhD in Nuklearphysik. Nach ihrem Doktorat arbeitete die Physikerin ein Jahr lang am Federal Telecommunications Laboratory als einzige weibliche Ingenieurin.

1946 kehrte Yalow ans Hunter College zurück, wo sie bis 1950 Physik unterrichtete. Während dieser Zeit begann sie bereits am Bronx Veterans Administration Hospital als Forscherin zu arbeiten. Dort war die Amerikanerin unter anderem dafür zuständig, neue medizinische Anwendungen von radioaktiven Teilchen zu untersuchen. Gemeinsam mit einem Arzt forschte sie in den darauffolgenden Jahren an einer neuen Messmethode, um kleinste Mengen von Hormonen und anderen medizinisch wichtigen Substanzen in Blut und anderen Körperflüssigkeiten nachzuweisen.

Bei verschiedenen Untersuchungen von Insulin entdeckte Yalow, dass Diabetikerinnen und Diabetiker, die mit Präparaten aus tierischem Insulin behandelt wurden, Antikörper dagegen entwickelten. In weiterer Folge konnte sie daraus 1959 eine Methode entwickeln, um den Insulinspiegel im Blut zuverlässig zu messen: den Radioimmunassay.

Heute kommt diese Technik in verschiedenen medizinischen Untersuchungen zum Einsatz, etwa um Spuren von Hormonen, Enzymen, Arzneimitteln oder sogar DNA im Körper nachzuweisen. Das ist unter anderem auch dem Umstand zu verdanken, dass Yalow und ihr Partner sich dagegen entschieden, die Technologie zu patentieren. Lieber sollte sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein.

Im Laufe ihrer Karriere setzte sich Yalow immer wieder für Geschlechtergleichheit in den Naturwissenschaften ein und versuchte, Mädchen zu einer wissenschaftlichen Karriere zu ermutigen. Nach ihrer Arbeit am Bronx Veterans Administration Hospital war sie noch an diversen Hochschulen und Forschungseinrichtungen tätig, bevor sie 1986 in Ruhestand ging. Die Physikerin starb am 30. Mai 2011 im Alter von 89 Jahren.

Für ihre wissenschaftlichen Leistungen wurde Rosalyn Yalow vielfach ausgezeichnet, unter anderem 1977 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Dieser Preis wurde vor ihr erst einer anderen Frau zugesprochen. Der Amerikanerin zu Ehren wurde außerdem der Asteroid Yalow nach ihr benannt.

Shin’ya Yamanaka: Arzt und Stammzellenforscher

Shin’ya Yamanaka wurde am 4. September 1962 in Higashiōsaka, Japan, geboren. Schon in jungen Jahren war er sehr sportlich, zog sich bei Rugby und Judo aber viele Verletzungen zu und musste daher oft wegen Knochenbrüchen behandelt werden. Durch die vielen Arztbesuche entwickelte der Japaner ein großes Interesse an Orthopädie und begann nach der Schule, Medizin an der Universität Kōbe zu studieren.

Das Studium schloss Yamanaka 1987 erfolgreich ab, wollte dann aber doch nicht als Arzt praktizieren. Als Medizinstudent hatte er bei zahlreichen Autopsien mitgewirkt und dabei seine Leidenschaft für Laborarbeit entdeckt. Darum entschloss der Mediziner sich dazu, eine Laufbahn als Forscher einzuschlagen und begann ein Pharmakologiestudium an der Städtischen Universität Ōsaka. 1993 erlangte er den PhD und ging noch im selben Jahr in die USA, um sich an der University of California auf Gentechnik zu spezialisieren.

1996 kehrte Yamanaka nach Japan zurück, war aber schon bald enttäuscht, da er kaum Unterstützung für seine Forschung bekam. Das änderte sich 2004, als er eine Stelle an der Universität Kyōto bekam. Dort begann er mit der Stammzellenforschung, die ihn später berühmt machen sollte. Er hatte die Idee, eine Methode zu entwickeln, mit der Stammzellen aus normalen Zellen gewonnen werden können.

Stammzellen sind eine besondere Art von Zellen, da sie sich in jede beliebige Art von Zelle verwandeln können. Diese kommen allerdings nur bei Embryonen vor; um Stammzellen zu Forschungszwecken zu gewinnen, müssen Embryonen daher zerstört werden. Durch diesen ethischen Konflikt ist die Stammzellenforschung in vielen Ländern nur sehr eingeschränkt bzw. überhaupt nicht erlaubt.

2006 gelang Yamanaka der Durchbruch: Ihm und seinem Team gelang es erstmals, die ausgereiften Zellen einer Maus in Stammzellen umzuwandeln. Im Jahr darauf schaffte er es auch mit menschlichen Zellen. Mit diesem Erfolg konnte der Forscher für eine breitere Akzeptanz der Stammzellenforschung sorgen und erschloss damit ganz neue Möglichkeiten für dieses Gebiet.

Für seine bahnbrechende Entdeckung bekam Shin’ya Yamanaka zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie aus dem Jahr 2012. Er ist nach wie vor an der Universität Kyōto tätig, wo er daran forscht, die Methoden zur Herstellung menschlicher Stammzellen immer weiter zu verbessern. Sein Wunsch ist es, dass sie möglichst schnell sicher in der medizinischen Behandlung eingesetzt werden können.

 

Rosalyn Yalow und Shin’ya Yamanaka sind nur zwei Beispiele dafür, wie einzelne Forschende die Welt verändern können. Egal, ob man eine so wichtige medizinische Messmethode entwickelt wie Yalow, oder ob man etwas so Bahnbrechendes entdeckt wie Yamanaka: Wir alle können die Welt mit Naturwissenschaft und Technik ein Stück besser machen!

Als nächstes geht es in unserer Blogreihe um Wang Zhenyi und Vladimir Zworykin.

 

Quellen:

Yalow

National Centre for Biotechnology Information (2012): Rosalyn Sussman Yalow (1921-2011), [online] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3271914/ [28.08.2019].

NobelPrize.org (o.J.): Rosalyn Yalow Biographical, [online] https://www.nobelprize.org/prizes/medicine/1977/yalow/biographical/ [28.08.2019].

Enceclopaedia Britannica (o.J.): Rosalyn S. Yalow, [online] https://www.britannica.com/biography/Rosalyn-Yalow [28.08.2019].

Yamanaka

The New York Times (2007): Risk Taking Is in His Genes, [online] https://www.nytimes.com/2007/12/11/science/11prof.html?pagewanted=all [29.08.2019].

NobelPrize.org (o.J.): Shinya Yamanaka Facts, [online] https://www.nobelprize.org/prizes/medicine/2012/yamanaka/facts/ [29.08.2019].

Enceclopaedia Britannica (o.J.): Shinya Yamanaka, [online] https://www.britannica.com/biography/Shinya-Yamanaka [29.08.2019].

In unserer Blogreihe stellen wir in alphabetischer Reihenfolge besondere Menschen in der Wissenschaft und Technik vor. Aktuell: Rosalyn Yalow und Shin'ya Yamanaka