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Frauen in der Technik: Edith Clarke und Annie Easley

Technik ist nur was für Männer? Von wegen! In unserer neuen Blogreihe „Frauen in der Technik“ stellen wir eine Auswahl von Frauen vor, die mit ihrer Arbeit Technologien und Erfindungen entwickelt haben, von denen wir alle heute profitieren. Als erstes geht es um die Elektrotechnikerin Edith Clarke und die Mathematikerin Annie Easley.

 

Edith Clarke: Die erste amerikanische Elektrotechnikerin

Edith Clarke kam am 10. Februar 1883 in Maryland, USA, zur Welt. Sie war eines von neun Kindern und wuchs mit einer Lese- und Schreibschwäche auf. Im Alter von zwölf Jahren wurde Clarke eine Waise, weshalb sie von einer ihrer älteren Schwestern sie großgezogen wurde. Mit ihrem Erbe finanzierte sich die Amerikanerin das Studium.

Mit 18 Jahren begann Clarke am Vassar College Mathematik und Astronomie zu studieren. 1908 schloss sie ihr Studium mit dem Bachelor ab. Danach unterrichtete sie Mathematik und Physik an einer privaten Mädchenschule in San Francisco und am Marshall College in West Virginia. Ihr großer Traum war es aber, Ingenieurin zu werden, deswegen schrieb sich die Amerikanerin für ein Studium im Bauingenieurwesen an der University of Wisconsin-Madison ein.

Clarke brach das Studium ab, um beim Telekommunikationskonzern AT&T als „menschlicher Computer“ zu arbeiten. Zu der Zeit gab es noch keine Computer, wie wir sie heute kennen, daher wurden komplizierte Berechnungen für Forschende und Ingenieurinnen und Ingenieure von eigens dafür angestellten Fachkräften, meist Frauen, durchgeführt. Neben ihrer Arbeit studierte die Amerikanerin unter anderem Elektrotechnik an der University of Columbia.

1918 gab Clarke ihren Job auf, um ihre Ausbildung abzuschließen, und schrieb sich am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) ein. Nur ein Jahr später erlangte sie dort als erste Frau einen Master in Elektrotechnik.

Nach dem Studium bekam Clarke eine Anstellung als Computer bei General Electric. Zu dieser Zeit entwickelte sie einen grafischen Taschenrechner, mit dem man spezielle Gleichungen und Funktionen viel schneller lösen konnte als bisher. 1925 bekam die Ingenieurin das offizielle Patent für ihre Erfindung.

Clarke war mit ihrem Job als Computer nicht zufrieden und wollte lieber als Elektrotechnikerin arbeiten, doch General Electric gab ihr keine Möglichkeit dazu. Daher ging sie 1921 in die Türkei, wo sie in Istanbul am damaligen Constantinople Women’s College Physik unterrichtete.

Ein Jahr später kehrte die Ingenieurin in die USA zurück, da General Electric ihr nun doch eine Stelle als Elektrotechnikerin verschaffte. Damit war sie die erste Frau, die in den USA als Elektrotechnikerin arbeitete.

1948 wurde Edith Clarke Professorin für Elektrotechnik an der University of Texas – auch hier war sie die erste amerikanische Frau, die eine derartige Position bekleidete. Sie unterrichtete zehn Jahre lang, bevor sie in Pension ging. Die Elektrotechnikerin starb am 29. Oktober 1959 im Alter von 76 Jahren.

Während ihrer beruflichen Laufbahn befasste sich Clarke unter anderem mit der technischen und wirtschaftlichen Verbesserung von Kraftwerk-Stationen und verfasste zahlreiche technische Publikationen. Sie erhielt viele Auszeichnungen, unter anderem den „Society of Women Engineers Award“, und wurde in die „National Inventors Hall of Fame“ aufgenommen. Nach ihr ist auch die in der Drehstromtechnik verwendete Clarke-Transformation benannt.

 

Annie Easley: Mathematikerin und Raketenwissenschaftlerin

Annie J. Easley wurde am 23. April 1933 in Birmingham, USA, geboren. Sie hatte keine leichte Kindheit: Zur damaligen Zeit gab es in den USA Gesetze zur Rassentrennung. Schwarze Kinder mussten eigene Schulen besuchen, die meist nicht so gut waren, wie Schulen für Weiße Kinder. Die Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten waren daher nur eingeschränkt. Unterstützung bekam Easley von ihrer alleinerziehenden Mutter, die ihr stets vermittelte sie könne alles erreichen, was sie wolle.

Als Kind wollte die Amerikanerin Krankenpflegerin werden, entschied sich nach der Schule aber für ein Pharmazie-Studium an der Xavier University in New Orleans. Nach zwei Jahren brach sie das Studium ab und kehrte in ihre Heimatstadt zurück. Easley arbeitete als Vertretungslehrerin und unterstützte Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner, damit sie wählen konnten. Damals gab es rassistische Gesetze, wonach Schwarze Personen nur wählen durften, nachdem sie einen Lese- und Schreibtest bestanden hatten.

1954 heiratete Easley und zog nach Cleveland. Dort wollte sie ihr Pharmazie-Studium fortsetzen, allerdings wurde das Studium an der dortigen Universität kurz vor ihrem Umzug abgeschafft und es gab keine Alternative.

Ein Jahr später las Easley einen Zeitungsartikel über Zwillingsschwestern, die als „menschliche Computer“ beim Aircraft Engine Research Laboratory arbeiteten, das später Teil der NASA wurde. Im Artikel stand, dass noch mehr Personen mit guten Mathematikkenntnissen gesucht wurden, weshalb die Amerikanerin sich dort bewarb. Nur zwei Wochen später hatte sie den Job.

Obwohl Easley zu Beginn ihrer Anstellung keine fachspezifische Ausbildung hatte, eignete sie sich mit Fleiß und Zielstrebigkeit die Kenntnisse an, um die schwierigen mathematischen Aufgabenstellungen in ihrem Beruf lösen zu können.

In den darauffolgenden Jahren wurden die „menschlichen Computer“ zunehmend durch mechanische ersetzt. Easley passte sich dem an und wurde Programmiererin. Zusätzlich zu ihrer Vollzeitanstellung absolvierte sie ein Mathematik-Studium an der Cleveland State University, das sie 1977 erfolgreich abschloss.

Während ihrer Zeit bei der NASA arbeitete die Mathematikerin unter anderem am allerersten Computerprogramm, das die Navigation von Raketen im All ermöglichte. In den 70er-Jahren forschte sie an elektrischen Batterien und legte damit den Grundstein für die heutigen Hybrid-Fahrzeuge. Außerdem entwickelte die Wissenschaftlerin ein Computerprogramm, um Sonnenwinde zu messen.

Annie Easley ging 1989 in Pension. Sie starb am 25. Juni 2011 im Alter von 78 Jahren. Zeit ihres Lebens ermutigte die Mathematikerin zahlreiche Frauen und Personen, die Minderheiten angehören, zu einer Karriere in Naturwissenschaft und Technik.

 

Edith Clarke und Annie Easley sind nur zwei Beispiele dafür, wie erfolgreich Frauen in der Technik sein können. Egal, ob man Kraftwerke verbessert wie Clarke, oder ob man den Grundstein für eine Technologie legt wie Easley: Mit einem technischen Beruf hat man die Möglichkeit, die Welt ein Stück besser machen!

Als nächstes geht es in unserer Blogreihe um Ada Lovelace und Emily Warren Roebling.

 

Quellen:

Clarke:

Agnes Scott College (2020): Edith Clarke, [online] https://www.agnesscott.edu/lriddle/women/clarke.htm [08.06.2020].

Edison Tech Centre (o.J.): Edith Clarke, [online] https://edisontechcenter.org/Clarke.html [08.06.2020].

Wagner, Bernhard (1996): Clarke, Edith (1883 - 1959), in: Kurt Jäger (Hrsg.), Lexikon der Elektrotechniker, Berlin und Offenbach: VDE-VERLAG, S. 79-80.

Ignotofsky, Rachel (2016): Women in Science — 50 Fearless Pioneers Who Changed the World, New York: Penguin Random House, S. 41.

Easley:

National Aeoronautics and Space Administration (2001): Annie J. Easley NASA Oral History [online]

https://historycollection.jsc.nasa.gov/JSCHistoryPortal/history/oral_histories/NASA_HQ/Herstory/EasleyAJ/AJE_8-21-01.pdf [08.06.2020].

National Aeoronautics and Space Administration (2017): Annie Easley, Computer Scientist, [online] https://www.nasa.gov/feature/annie-easley-computer-scientist [08.06.2020].

Blackpast.org (2020): Annie J. Easley (1933-2011), [online]

https://www.blackpast.org/african-american-history/annie-j-easley-1933-2011/ [08.06.2020].

Ignotofsky, Rachel (2016): Women in Science — 50 Fearless Pioneers Who Changed the World, New York: Penguin Random House, S. 89.

In unserer Blogreihe stellen wir besondere Frauen in der Technik vor. Aktuell: Edith Clarke und Annie Easley